Google Suchlink Urteil – Formular ist Online, 12000 Löschanträge am ersten Tag!

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Mitte Mai hatte der europäische Gerichtshof beschlossen, dass Google in ganz bestimmten Fällen sensible Daten von Personen aus seinem Such-Index löschen muss. Möchte man als Person eine Löschung beantragen ist zuerst ein Gesuch an den Betreiber, in diesem Fall Google zu richten. Nach dem Urteil müssen in der Konzernzentrale von Mountain View die Alarmglocken Sturm geläutet haben, denn wohl zu keiner Zeit hat der jetzt kalt erwischte Internet Konzern mit solchen Konsequenzen gerechnet.

Hilft alles nichts denn seitdem ist man bei Google in der Pflicht schnellstmöglich eine Infrastruktur zu installieren, die auf Anfragen der Nutzer reagieren kann. Weitere 14 Tage mussten erst vergehen bis Google nun ein „erstes“ Formular vorlegt mit dem man die Löschung von persönlichen Daten beantragen kann. Ich betone deshalb „erstes“ weil es sich beim jetzt veröffentlichten Formular scheinbar nur um eine Zwischenlösung des endgültigen Dokuments handelt, wie Google in weiter mitteilt.

Wir werden die Implementierung zur Bearbeitung von Anträgen auf Entfernung gemäß Europäischem Datenschutzrecht so bald wie möglich abschließen. Füllen Sie in der Zwischenzeit bitte den unten stehenden Antrag aus. Wir informieren Sie, sobald Ihr Antrag bearbeitet wird. Vielen Dank für Ihre Geduld.

Beim Überfliegen des Formular fällt auf das Google neben der Eingabe des Namens und einer E-Mail Adresse zusätzlich den Upload eines Dokumentes zur Legitimierung verlangt. Dabei kann es sich um eine Passkopie oder einer Vollmacht der vertretenen Person handeln, wenn z.B. ein Anwalt die Löschung für seinen Mandanten beantragt. Warum das notwendig ist erklärt Google so:

Um Anträgen von Personen vorzubeugen, die Identitätsdiebstahl begehen, Wettbewerber unrechtmäßig behindern oder auf andere unangemessene Weise zulässige Informationen unterdrücken wollen, ist ein Nachweis Ihrer Identität erforderlich.

GoogleIm Hintergrund höre ich schon die Datenschützer Alarm schlagen weil Google auf diese Weise ein weiterer Haufen sehr persönlicher und dazu rechtsverbindlicher Dokumente in die Hände fällt. Vorsorglich erklärt Google das man die Dokumente nur für den Antrag verwende und ca. einen Monat nach dem Ende der Bearbeitung wieder löschen wird. Hoffentlich!

Ist der offizielle Teil erledigt geht es an das Einfügen der zu löschenden Daten, wobei Google den Eintrag diverser URL`s anbietet. Zu jeder URL ist eine detaillierte Begründung „Warum, Weshalb, Wieso“ anzugeben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet sind am ersten Tag, nachdem man das Formular Online gestellt hat 12000 Löschanträge bei Google eingegangen. Das eigentlich Schwierige wird aber die Auswertung der Anträge sein, denn hier ist Handarbeit angesagt womit eine ganze Menge an Manpower bei Google von Nöten ist.

Ein Kritikpunkt der kontrovers geführten Löschdebatte behandelt die Frage nach dem Verbleib der Infos wenn der hinführende Google Verweis gelöscht ist. Will heißen, auch wenn Google den Suchlink entfernt bleibt die dem Link zugrundeliegende Information auf den entsprechenden Servern bestehen und könnte weiter über andere Suchtools gefunden werden.

Google erklärt dazu am Ende seines Antragsformular:

Nachdem Sie dieses Formular eingereicht haben, leiten wir Ihren Antrag und alle zugehörigen Informationen unter Umständen an die zuständige Datenschutzbehörde weiter. Zudem benachrichtigen wir möglicherweise die Webmaster, deren Inhalte aufgrund Ihres Antrags aus unseren Suchergebnissen bei einer Suche nach dem Namen des Betroffenen entfernt werden.

Selbst wenn mit dieser Aussage nicht einwandfrei geklärt ist ob neben dem Suchlink auch die eigentlichen Daten von den Servern gelöscht werden, müsste man diese 2 Punkte stets parallel behandeln.

Bleibt zum Schluss die grundsätzliche Frage nach der Definition wann welche Suchlinks und Daten im Netz zu löschen sind. Eine schwierige Entscheidung die schlimmstenfalls zu einer anderen Art von Zensur werden kann. Ein Google Sprecher hat dies sehr treffend mit folgender Aussage formuliert:

 “The court’s ruling requires Google to make difficult judgements about an individual’s right to be forgotten and the public’s right to know.” (“Das Gerichtsurteil veranlasst Google dazu, eine schwierige Entscheidung darüber zu treffen, ob es sich um das Recht einer Einzelperson zum Vergessen oder das Recht der Öffentlichkeit, es zu wissen, handelt.”)

Auf jeden Fall wird uns das Thema noch sehr lange begleiten und langfristig zu einer anderen Nutzung und Verständnis von Suchmaschinen führen. Ausserdem wird das aktuell nur für Google gültige Urteil in der Folge auch bei der Suchmaschinen Konkurrenz Anwendung finden, ob freiwillig oder durch erneute Gerichtsurteile. Habt ihr schon euren Löschantrag gestellt? Ich warte gespannt auf eure Kommentare!

 

Quellen:

Google

Reuters

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